Paranoide Deutung

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Wenn sich eine Sache, die möglicherweise anfänglich geduldet, ertragen und sogar zugelassen wurde, sich mit der Zeit zu einer kritischen, nebulösen und komplexen Angelegenheit entwickelt, ist Schleichert zufolge ein Nährboden für die paranoide Deutung gesichert. Diesen Zuschreibungen der paranoiden Deutung wird eine Grundannahme vorausgesetzt. Demnach wird der Sache, je nachdem, ob es sich um ein willentliches, wiederholendes, vollendetes oder aber absichtsloses Ereignis handelt, ein zyklisches und erneutes Auftreten unterstellt oder nicht. In diesem Sinne funktionieren auch die Verschwörungstheorien. Insofern kommt noch hinzu, dass die Sachen für den paranoiden Erkennenden, als eine Komponente einer größeren Konspiration gegen sich selbst gedeutet werden. Für diesen Zweck benötigt der Erkennende immerzu einen Schuldigen.[1]


Beispiel:

Ein Bürger liest die Zeitung. Angekommen bei der Flüchtlingsdebatte liest er die Neuigkeiten hierüber, dass demnächst der UN-Migrationspakt weltweit unterschrieben wird. Er nimmt auch wahr, dass der UN-Migrationspakt kein völkerrechtlicher Vertrag ist. Jedoch steigt bei ihm die Angst hoch. Die Menschenrechte waren zunächst auch kein völkerrechtlicher Vertrag und wurden später dann zu einem deklariert. Dies vermutet der Bürger diesmal auch und fühlt sich belogen von der Regierung. Ihn anzulügen und zu behaupten, dass dieser Pakt keine völkerrechtliche Gebundenheit hätte. Dies glaubt er nicht. Schließlich stellt er auch fest, dass die Zeitung, die er gerade liest, regierungsfreundlich ist. Ihm kommt die mulmige Vermutung hoch, dass die Bundesregierung eine Islamisierung seines Nationalstaates bezweckt. Festgestellt hat er es daran, dass die Straßen voll mit orientalischen Menschen sind und ein neues Flüchtlingsheim auf seiner Straße gebaut wird. Diese Leute werden ihm später dann auch noch seinen Job wegstehlen. Dieser Pakt ist der Untergang der ihm wohlbekannten Sitten.


  1. Schleicher, Hubert, Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren, Anleitung zum subversiven Denken, München 2008.