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Anregung für den philosophischen Unterricht: Kabarettprogramme von Hanns Dieter Hüsch

Der philosophische Unterricht, insbesondere in der Unterstufe, ist der Problematik ausgesetzt, entweder die Schüler mit genuin philosophischen Texten zu überfordern, oder sie mit banalen Einführungen zu unterfordern. Die Versuchung einer manipulativen Pädagogik, welche die Schüler auf bestimmte Aspekte des jeweiligen Textes zu lenken versucht, ist groß. Bei der ersten Alternative, um die komplexen Texte zugänglich zu machen, bei der zweiten Alternative, um zumindest grundsätzliches zu vermitteln. Dabei werden die Schüler nur unzureichend motiviert, selbst zu denken und Philosophie als eigenständige, kritische Tätigkeit zu verstehen. Ein Ausweg aus dieser schwierigen Situation könnte deutschsprachiges Kabarett mit einer gewissen philosophischen Tiefe sein. Ausschnitte aus Bühnenauftritten können das Potenzial haben, Schüler zu motivieren, sich mit philosophischen Fragestellungen zu beschäftigen. Sprache, Mimik und Gestik können die Distanz zu philosophischen Aspekten verringern, ohne die Auseinandersetzung durch Reizüberflutung zur bloßen Unterhaltung verkommen zu lassen. Die Kabarettprogramme von Hanns Dieter Hüsch bieten sich, unter anderem, auf Grund ihrer philosophischen Tiefe, thematischen Alltäglichkeit und ihrem Fragen aufwerfenden Charakter an. Der niederrheinische Künstler lässt in seinen Programmen immer wieder einen Blick für das Wesentliche erkennen und tangiert damit unterschiedliche philosophische Fragestellungen. Dabei verliert er sich nicht in abstrakten Monologen, sondern geht immer wieder von alltäglichen Beobachtungen, Situationen und Kuriositäten aus. Er lässt, anders als viele Vertreter des politischen Kabaretts und abgesehen von allgemeinen humanistischen Überzeugungen, keine klaren Positionen erkennen und wird nie moralisch belehrend. Vielmehr werfen seine Programme gesellschaftliche, politische und persönliche Fragen auf, welche zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umgebung einladen.


Beispielhafte Szeneauswahl: Beginn von „Am Niederrhein”

In den vielzähligen Kabarettprogrammen von Hanns Dieter Hüsch lassen sich unterschiedliche Szene finden, welche dazu geeignet sind verschiedene philosophische Fragestellungen und Aspekte im Unterricht zu beleuchten. Die unterschiedlichen Abstraktionsebenen und die durchgängige Sprunghaftigkeit seiner Auftritte erlauben es, dass diese im Unterricht unterschiedlicher Altersstufen Zugang zu philosophischen Fragestellungen ermöglichen.

„Am Niederrhein” ist dabei ein Programm über die Region der Kindheit und Jugend von Hüsch. So wie dieses Programm auch außerhalb dieser speziellen Region Zuschauer begeistern konnte, wird es generell im deutschsprachigen Philosophieunterricht ein ansprechender Impuls sein können. Die Verweise auf bestimmte Orte, Dörfer und Städte erhöhen die Attraktivität des Materials für Unterrichtsstunden innerhalb von Moers und dem Niederrhein zusätzlich. Der Beginn des Kabarettprogrammes „Am Niederrhein” (0:00 – 2:38) bietet sich als Szene für den Philosophieunterricht an, da Hüsch in dieser Szene den Niederrhein beschreibt (Nähe zum Alltag der Schüler), historisch-moralische Fragen aufwirft (Nationalsozialismus am Niederrhein), als auch philosophische Fragen bezüglich Identität und ihrer rationalen Begründung provoziert.


Beispielhafte Planung und Beispielhafter Ablauf einer Unterrichtsstunde

Im Vorhinein muss zunächst eine passende Szene gefunden werden. Die Kabarettprogramme lassen sich dafür, entweder aus einer Bibliothek ausleihen oder müssen selbst angeschafft werden. Die Vorführung von Filmmaterial in Schulen ist dabei eine rechtliche Grauzone. Das es sich nur um eine kurze Szene handelt (und somit um weniger als 15% des Werkes), macht die Angelegenheit nicht unproblematisch, jedoch zu mindestens hellgrau. Anschließend muss ein Transkript der Szene erstellt werden, um sich mit den Schülern, im Verlauf der Unterrichtsstunde, detaillierter über die Szene austauschen zu können. Aus urheberrechtlichen Gründen findet sich mein Transkript für die erwähnte Szene nicht in diesem Artikel. Ein möglicher Ablauf einer Unterrichtsstunde sieht wie folgt aus:

1. Szene („Am Niederrhein” (0:00 – 2:38)) den Schülern zeigen.

2. Fragen, Eindrücke, Ideen der Schüler Raum geben.

3. Transkript zusammen lesen

4. Moderierter Austausch

Den Gedanken der Schüler Raum geben, dabei eigene Impulse setzen und auf philosophische Fragestellungen eingehen. Mögliche Thematiken für diese Szene sind folgende:
- Mit welcher Region, Stadt, politischen Einheit identifiziert ihr euch?
- Was ist mit „Ab und zu eine schwarz-weiße Kuh, früher warn sie braun-weiß abwaschbar” (Hüsch 1987, 0:00 – 2:38) gemeint? (Nazizeit, heutige Verantwortung)
- Warum verweigert Hüsch die Aussage? (vgl. Hüsch 1987, 0:00 – 2:38)
Themen und Abstraktionsniveau sind dabei abhängig von der Schülergruppe und ihren Ideen. Eine manipulative Pädagogik soll gerade, wie schon erwähnt, mit diesem Ansatz vermieden werden. Eigenes Denken und der gemeinsame Austausch stehen im Vordergrund. Wobei der Lehrer auf wesentliches hindeuten und allgemeine philosophische Konzeptionen, bei passenden Gelegenheiten, vorstellen kann.

5. Möglicher Abschluss mit einer konkreten philosophischen Konzeption, welche sich aus dem Verlauf der Diskussion anbietet (z. B. Unterscheidung Tugenden-Laster oder dem Prinzip von Verantwortung für das Umfeld).




Literaturverzeichnis

Am Niederrhein: Lieder und Geschichten vom flachen Land; Hüsch, Hanns Dieter. Regie: Isolde Müller-Rinker, Stuttgart, in: Hüsch: Sieben Kabarettprogramme aus drei Jahrzenten, Tacker Film (AL!VE), 2011.